Der Bücherwurm, Geschichten zum Nachdenken, Wissenswert

Glück und Zufriedenheit

“Manchmal genügt dafür ein Löffel.”

 

Das Land der langen Löffel

Dieses kleine Land besteht nur aus zwei Zimmern, namens Schwarz und Weiß. Um es zu bereisen, braucht man nur den Gang entlangzugehen, bis dorthin, wo er sich gabelt. Möchte man das schwarze Zimmer besuchen, dann wende man sich nach rechts, möchte man das weiße kennenlernen, so wende man sich nach links.

Ein Mann ging den Gang entlang und bog einer Laune folgend zunächst nach rechts ab. Ein weiterer Gang von etwa fünfzig Metern Länge führe zu einer großen Tür. Bereits nach ein paar Schritten hörte er ein Ächzen und Stöhnen, das aus dem schwarzen Zimmer drang.

Einen Moment lang zögerte er ob dieser Leidens- und Schmerzbekundungen, doch dann fasste er sich ein Herz und ging weiter. Er kam an die Tür, öffnete sie und trat ein.

Um einen riesigen Tisch herum waren etwa hundert Menschen versammelt. Auf dem Tisch standen die feinsten Speisen, die man sich nur vorstellen konnte, und obwohl jeder der Anwesenden einen Löffel hatte, mit dem er sie erreichen konnte, starben die Leute fast vor Hunger!

Der Grund war: die Löffel waren doppelt so lang wie ihre Arme, und sie waren an den Händen befestigt. So konnte sich zwar jeder der Speisen bedienen, aber niemand konnte seinen Löffel zum Mund führen.

Die Lage war hoffnungslos und das Wehklagen so herzzerreißend, dass der Mann sich auf dem Absatz umdrehte und die Flucht ergriff.

Er kehrte in den Hauptsaal zurück und schlug nun den Weg in den linken Gang ein, der in das weiße Zimmer mündete. Ein gleicher Gang, wie der vorherige endete vor einer ähnlichen Tür. Der einzige Unterschied war, dass man unterwegs kein Klagen und Weinen hörte. Vor der Tür angelangt, drückte der Reisende auf die Klinke und betrat das Zimmer.

Auch hier saßen etwa hundert Personen um einen ähnlichen Tisch herum wie im schwarzen Zimmer. Auch dort befanden sich ausgesuchte Speisen auf dem Tisch, und jeder Anwesende hatte einen langen Löffel, der an seiner Hand festgemacht war.

Aber hier beklagte sich niemand und niemand lamentierte. Niemand war sterbenshungrig, nein, …

Warum?

Man fütterte sich gegenseitig!

 

“In diesem Sinne wünsche ich viel Zusammenhalt.”

 

Dieser Auszug der Geschichte ist aus dem Buch:

“Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte” von Jorge Bucay

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